„Von Steinen und Sauriern – eine künstlerische Zeitreise“

Unser Sommerferienprojekt 2022 im Architektur- und Umwelthaus

Unser diesjähriges Sommerferienprojekt stand unter dem Motto “Von Steinen und Sauriern – eine künstlerische Zeitreise“. Wir leben in einer Region die landschaftlich stark von der Zeit der Trias geprägt ist. Das Thema „Natur erleben – Geschichte entdecken“, das Motto des Geo-Naturparks Saale-Unstrut-Triasland, wollten wir aufgreifen und kindgerecht vermitteln. Die Kunst bot dafür gute Möglichkeiten, Interesse am Thema zu wecken und auf den Spuren von Steinen und Sauriern unsere Heimat zu entdecken.

Die Triaszeit stellte über die sechs Projekttage das Bindeglied aller Aktionen dar; ob künstlerisch, handwerklich oder spielerisch. Der vorgesehene regionale Bezug wurde während des gesamten Projekts hergestellt und die in der Region vorhandenen Sozialstrukturen positiv genutzt.

13 Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren versammelten sich in der Zeit von 18. bis zum 23. Juli 2022 um diese Zeitreise mit uns zu unternehmen.

Wir, der Naumburger Bürgerverein, schrieben ein Konzept für dieses Kunstprojekt und handelten die Kooperationen mit dem Geo-Naturpark Saale-Unstrut-Triasland e.V. und dem Saale-Unstrut-Verein e.V. aus. Den Maler und Grafiker Matthias Schöneburg aus Bad Bibra konnten wir nach 2020 ein weiteres Mal für eine Zusammenarbeit gewinnen. Danach beantragten wir über die Plattform „Kultur macht stakt – Bündnisse für Bildung“ eine Projektförderung beim Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), welcher uns die Fördermittel bewilligte.

Nach vielen Vorbereitungen und einer detaillierten Planung konnte es losgehen.

Unsere Zeitreise in die Vergangenheit begann am Montag mit einer Exkursion nach Nebra in die dortige Triasausstellung. Die einstündige Zugfahrt mit der Burgenlandbahn nutzten wir zum gegenseitigen Kennenlernen. Die vom Geo-Naturpark organisierte Stadtführerin Frau Jäger begleitete uns vom Bahnhof zum Nebraer Museum und erweckte dort das Zeitalter der „Trias“, der ältesten Periode des Erdmittelalters, für uns zum Leben. Mit Lupen konnten wir uns zahlreiche Fossilien- und Gesteinsfunde anschauen und erhielten mittels der ausgestellten Exponate einen spannenden Einblick in die einstige Pflanzen- und Tierwelt. Danach starteten wir eine kleine Exkursion durch die Nebraer Umgebung, um dort Bundsandsteinfelsen und steinerne Zeitzeugen für den jahrhundertelangen Abbau des Sandsteines zu finden. Einige unterschiedlich gefärbte Gesteinsbrocken nahmen wir mit, um sie während des Projektes zur Farbherstellung zu nutzen. Für das geplante Picknick war danach leider wenig Zeit, denn der Rückweg zum Bahnhof bei 30°C war beschwerlich für alle. Im Sauseschritt schafften wir den geplanten Zug, konnten uns dort mit Plätzchen und Getränken stärken und kamen pünktlich wieder in Naumburg an.

Nach einer zweiten ausführlichen Vorstellungsrunde im Hof des AUH widmete sich der zweite Projekttag (Dienstag) der damaligen Pflanzenwelt. Im Architektur -und Umwelthaus versuchten die Kinder unter der Leitung von Matthias Schöneburg und mit Unterstützung von Dietlind Grenzdörfer in diese Welt einzutauchen. Das fiel allen nicht so leicht, denn nur mit einem Bleistift die Pflanzenwelt darzustellen, war für die kleinen Künstler sehr ungewohnt. Die Frottage-Technik machte da schon mehr Spaß, welche nach einem köstlichen Mittagessen, gekocht von Vereinsmitgliedern in der Küche unserer Werkstatt, geübt wurde. Wasserspiele im Hof des AUH und ein Besuch auf dem schattigen Spielplatz in der Nähe gestalteten den Sommertag abwechslungsreich.

Um der Hitze zu trotzen, entschlossen wir uns, am Mittwoch nicht auf den „Bismarckturm“ sondern an die „Klopstock-Quelle“ zu wandern. Nach Almrich ging es mit dem Bus. Unser Picknick nahmen wir in gut gekühlten Taschen mit, die von den Kindern auf dem Bollerwagen entlang der „Kleinen Saale“ bis zu unserem Ziel transportiert wurden. Im schattigen Wald ließ es sich wunderbar an der Quelle spielen, Tiere beobachten und bei Temperaturen von 36°C bekamen alle genügend Abkühlung.

Natürlich wurde auch gemalt. Matthias Schöneburg und Frau Grenzdörfer erklärten, wie ein Bild aufgebaut wird; wie Vorder-, Mittel- und Hintergrund dargestellt wird. Das Erklärte wurde danach gleich mittels Pastellkreiden auf großen Zeichenblättern angewandt. Mitten in der Natur entstanden farbenfrohe Malereien von der urwaldartigen Umgebung.

Unser Rückweg führte über Schulpforte und sein Klostergelände, wo einst Kopstock als Schüler lernte. Auf dem dortigen Spielplatz überbrückten wir die Wartezeit bis zur Rückfahrt mit Bewegung und Melone essen.

 

Am Donnerstag gab es nach einer kleinen Rückschau die Einführung in den Tag. Endlich waren die Dinosaurier das aktuelle Thema. Diese sollten mittels eines Reliefs aus Ton dargestellt werden. Auch hier erklärten die „großen Künstler“ den „Kleinen“ den Umgang und das Arbeiten mit dem Naturmaterial „Ton“. Mit Interesse und großer Freude wurden die Platten angelegt, auf denen dann die Dinos plastiziert wurden. Schade war, dass die Darstellung von Dinosauriern in 3D aus zeitlichen Gründen nicht mehr stattfinden konnte. Dafür schrieben und gestalteten die Kinder die Einladungen für die Eltern und anderen Gäste zur Ausstellungseröffnung. Auch hier entstanden bunte Kunstwerke mit Motiven der Triaszeit.

„Malen, wie an den Felswänden von Höhlen“ – unter diesem Thema stand der Freitag. Zunächst wurden verschiedenfarbige Buntsandsteine, die wir unterwegs gesammelt haben, mit großen Steinen zertrümmert. Die grob zerkleinerten Steine kamen dann auf einen großen flachen Stein und wurden mit einem anderen, eher rundlichen Stein oder mit Mörsern verrieben bis ein feines Pulver entstand. Auch Kohle und Kreide wurden zerkleinert. Dem Pulver mischten die Kinder zur besseren Bindung noch Quark und Öl bei. Alle Kinder stellten mit diesen Farbpigmenten gemeinsam an der „langen Felswand“ aus Packpapier ihr Lieblingstier aus der Steinzeit dar. Ungewohnt war dabei, mit den Fingern zu malen. Das Arbeiten mit Naturmaterialien, wie Ton, Gestein und daraus selber hergestellten Farben, hat den Kindern besonders viel Freude bereitet.

Am Samstag schauten wir uns gemeinsam – Kinder und Erwachsene – die entstandenen Kunstwerke der vergangenen Tage an. Unter Mithilfe des Künstlers wählten die Kinder ihre gelungensten Skizzen, Frottagen und Malereien aus, um diese in einer Ausstellung zu präsentieren. Alle anderen Bilder kamen in eine Mappe, welche die Kinder mit nach Hause nehmen durften. Die Dinosaurierreliefs waren allen kleinen Künstlern so gut gelungen, dass sie gemeinsam mit der „Höhlenmalerei“ den Mittelpunkt der Präsentation bildeten.

Der Ausstellungaufbau brauchte viele helfende Hände und einen ganzen Vormittag, aber gemeinsam schafften wir es pünktlich, die Eltern und weitere Gäste zu begrüßen. Nach einer kurzen Einführung durch Herrn Schöneburg und Frau Grenzdörfer staunten diese über die vielfältigen Bilder und gelungenen Kunstwerke. Die „kleinen Künstler“ sprachen mit viel Eifer und Stolz über die Entstehung ihrer Arbeiten und erklärten ausführlich die erlernten Techniken. Berichtet wurde aber auch über besondere Ereignisse, kleine Missgeschicke und Ärgernisse sowie entstandene Freundschaften. Bei Kaffee und Kuchen konnten die vielen Fragen der Eltern und Gäste zur Projektwoche von uns Erwachsenen ausführlich beantwortet werden.

Wir, also alle Beteiligten, freuen uns über eine gelungene Sommerferienwoche. Viele Kinder haben sich für nächste anstehende Projekte angemeldet und freuen sich bereits auf eine weitere gemeinsame Ferienwoche im Architektur- und Umwelthaus in Naumburg.

Schwierig war für uns, sich neben der Konzentration auf die Kinder noch um die Essensversorgung zu kümmern, da die unterschiedlich sozialisierten Kinder sehr viel mehr Aufmerksamkeit und Annahme brauchten.

Durch die Nutzung des 9-Euro-Tickets konnten die Fahrtkosten für beide Exkursionen geringgehalten werden.

Wir bedanken uns bei allen, die dieses Projekt ermöglicht und zu einem schönen Erlebnis gemacht haben:

  • dem Fördergeldgeber: BBK-Projektbüro „Wir können Kunst“ mit „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“ und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • beiden Kooperationspartnern
  • dem Maler und Grafiker Matthias Schöneburg und seiner Assistenzkraft Frau Grenzdörfer
  • den beteiligten Vereinsmitgliedern

 

Hier der Artikel vom Naumburger Tageblatt am 03.08.2022:

NTB_AUH_Steine+Saurier 20220803

Susanne Heinisch

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